Liquiditätsplanung: 5 Tipps, wie Sie damit besser und ohne böse Überraschungen auf Amazon verkaufen

Liquiditätsplanung ist im E-Commerce-Business besonders wichtig. Schließlich muss man als Händler:in immer wissen, wann man sich leisten kann, nachzubestellen, oder mehr Produkte zu entwickeln bzw. ins Sortiment aufzunehmen.

Der Internetriese Amazon bezahlt zwar im 2-Wochen-Rhythmus aus, ein Selbstläufer ist der Verkauf von Produkten auf Amazon aber trotzdem nicht, geschweige denn ein Garant für allseits stabile Liquidität. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie eine solide Liquiditätsplanung Ihnen hilft, auch in schwierigen Zeiten Ihr Business „flüssig“ zu halten.

Dies ist ein Gastbeitrag von
Dr. Nirmalarajah Asokan, Senior Content Marketing Manager bei Agicap

Dr. Nirmalarajah Asokan ist Senior Content Marketing Manager bei Agicap in Berlin. Er ist in den Themen Liquiditätsmanagement, Cashflow und Finanzplanung unterwegs. Derzeit ist er für Konzeption, Optimierung und Umsetzung des Content Marketings für das Liquiditätsmanagement-Tool Agicap verantwortlich. 

1. Sämtliche Kosten und Einnahmen im Blick behalten

Auch wenn das Geschäft gerade gut läuft und genügend Geld in die Kasse spült, welches das Szenario für einen Liquiditätsengpass in weite Ferne rücken lässt, ist es ratsam, dass Sie regelmäßig Ihre Einnahmen und Kosten überprüfen. Das gibt Ihnen einerseits einen tieferen Einblick in Ihr Unternehmen, und zum Anderen hilft es Ihnen, für schwierigere Zeiten vorauszuplanen.

Konkret stellen Sie bei dieser sogenannten Liquiditätsanalyse Ihre Ausgabenseite der Einnahmenseite gegenüber. Indem Sie Ihre Kosten nach Kategorien gruppieren, sehen Sie in einer solchen Übersicht, wo die höchsten Kostenpunkte in Ihrem Unternehmen liegen und wo Sie möglicherweise sogar einsparen können. Eine Kostenaufschlüsselung sieht zum Beispiel so aus (und enthält je nach Unternehmen noch viel mehr oder weniger):

  • Einkaufskosten (Material, Waren, etc.)
  • Lieferantenkosten
  • Gebühren für Amazon und/oder andere Verkaufsplattformen
  • Kosten für Softwarelizenzen
  • evtl. Mitarbeiter- und Personalkosten
  • Kosten für Gebäudemieten
  • allg. Betriebskosten (Strom, Wasser, etc.)
  • Steuerzahlungen
  • Eigenentnahme

Dem gegenüber stellen Sie die Einnahmenseite Ihres Geschäfts, z.B.:

  • Einnahmen auf den verschiedenen Verkaufsplattformen (Amazon, eBay, etc.)
  • Steuerrückerstattungen
  • sonstige Gutschriften

Wichtig ist, dass Sie bei dieser Aufstellung alle Ihre Einnahmen und Ausgaben während eines bestimmten Zeitraums (z.B. eines Monats) berücksichtigen. Dann erkennen Sie mit der Zeit wiederkehrende Muster und es fällt Ihnen leichter, Abschätzungen zu treffen, mit welchen Einnahmen und Kosten Sie in den kommenden Monaten rechnen können. Diese Aufstellung ist also die Ausgangsbasis für Ihre Liquiditätsplanung.

2. Liquiditätsplanung auf Monats- und Wochenbasis

Ein Liquiditätsplan wird meist für ein Jahr im Voraus auf Monatsbasis erstellt und regelmäßig mit der Realität abgeglichen und angepasst. Besonders bei schwankender Nachfrage, wie sie bei saisonalen Produkten auftreten kann, empfiehlt sich eine wöchentliche oder sogar tägliche Liquiditätsplanung. Das gibt Ihnen den bestmöglichen Handlungsspielraum, die zur Verfügung stehenden Mittel sinnvoll in Ihrem Unternehmen einzusetzen.

Je nachdem, ob Sie in der nächsten Zeit mit einem Liquiditätsdefizit oder einem -überschuss rechnen, sind andere Entscheidungen zu treffen, beispielsweise:

Bei Defizit

  • Kann der Liquiditätsengpass durch Rücklagen gedeckt werden?
  • Muss ich einen Kredit aufnehmen, um den Engpass zu überbrücken?
  • Kann ich mir die geplante Investition trotz Einnahmenrückgang leisten, oder muss ich sie verschieben?
  • Ist es zu diesem Zeitpunkt überhaupt sinnvoll, ein neues Produkt zu entwickeln oder ins Sortiment aufzunehmen?

Bei Überschuss

  • Welche Produkte soll ich als nächstes ins Sortiment aufnehmen?
  • Soll ich den Überschuss in die Shop-Erweiterung investieren, oder auf das Rücklagen-Konto legen?
  • Ist eine Expansion zu diesem Zeitpunkt sinnvoll?

Ihr Liquiditätsplan kann Ihnen wichtige Antworten auf diese (und andere) Fragen liefern. Voraussetzung ist, dass der Plan auf möglichst genauen Ist-Werten beruht und einen realistischen Blick auf die Zukunft gewährt.

3. Zahlungsziele bei der Liquiditätsplanung berücksichtigen

Was häufig – und trotz eines Liquiditätsplans – zu finanziellen Engpässen führt, ist eine Nichtberücksichtigung von Zahlungszielen.

Beispiel:

Ein Kunde kauft am 30. März auf Amazon eines Ihrer Produkte. Das Rechnungsdatum ist somit der 30. März. Amazon bezahlt aber erst am 10. April die Erlöse an Sie aus. Wie berücksichtigen Sie die Kundenzahlung in Ihrer Liquiditätsplanung?

Wenn Ihre Antwort „10. April“ ist, liegen Sie richtig. Denn das ist das Datum, an dem die Zahlung tatsächlich auf Ihrem Konto eingeht und somit Einfluss auf Ihre Liquidität hat. Das Rechnungsdatum ist bei der Liquiditätsplanung irrelevant, es muss stets das Zahlungsziel berücksichtigt werden.

Dasselbe gilt auch für Ihre Ausgaben, d.h. die Rechnungen, die Sie zu bezahlen haben. Kalkulieren Sie hier die Zahlungsfrist mit in Ihre Liquiditätsplanung ein, also das Datum, an dem das Geld tatsächlich von Ihrem Konto abfließt. Nur so erhalten Sie ein genaues Bild über Ihren zukünftigen Cashflow.

4. Verschiedene Liquiditätsszenarien durchspielen

Es mag müßig erscheinen, den Best- oder Worst-Case durchzuspielen, wenn die Liquiditätsplanung ohnehin – wie weiter oben dargestellt – möglichst realistisch sein soll. Doch das Durchspielen von verschiedenen Szenarien hat durchaus seine Daseinsberechtigung, denn es zeigt Ihnen Ihren kompletten unternehmerischen Handlungsspielraum auf.

Bei pessimistischen Szenarien können Sie sich anschauen, wie sich beispielsweise sinkende Nachfragen auf Ihre Liquidität auswirken werden und wieviel Zeit Sie hätten, bis ein akuter Liquiditätsengpass entsteht. Tritt einer solcher Fall dann einmal ein, wissen Sie schon ungefähr, was auf Sie zukommt, und Sie verfallen nicht in Panik.

Im Vorfeld können Sie dann Überlegungen anstellen, was Sie im Worst-Case machen, oder wie Sie diesem besser vorbeugen können, z.B. durch das sukzessive Bilden von Rücklagen. Dasselbe gilt für optimistische Szenarien. Diese lassen Sie vorher schon überlegen, was Sie mit Überschüssen anstellen könnten, damit Ihr Unternehmen bestmöglich weiterwächst.

5. Digitale Hilfsmittel für die Liquiditätsplanung nutzen

Meist nutzen Unternehmer:innen und Finanzverantwortliche für die Liquiditätsplanung Excel. Großer Nachteil dabei ist, dass dies Unmengen an Zeit kostet, denn die verschiedenen Kontobewegungen müssen manuell eingesehen und dann in die Tabelle eingetragen werden. Hierbei können sich zudem auch schnell Zahlendreher einschleichen, die anschließend den Liquiditätsplan verfälschen.

Abhilfe schaffen hier digitale Tools, die extra und ausschließlich für die Liquiditätsplanung entwickelt wurden. Eine solche Liquiditätsmanagement-Software verbindet sich automatisch mit all Ihren Geschäftskonten und ruft von dort jeden Tag die Kontotransaktionen ab. Die Liquiditätsplanung wird anhand der neuen Daten aktualisiert, sodass Sie jederzeit auf einen aktuellen und genauen Plan schauen.

Mit digitalen Hilfsmitteln ist es außerdem schnell und unkompliziert möglich, eine Vielzahl an verschiedenen Liquiditätsszenarien für Ihr Business zu erstellen, die anhand der neuesten Kontobewegungen ebenfalls immer aktualisiert werden.

Fazit

Die Liquiditätsplanung hilft Ihnen als Händler:in bei Amazon oder auf anderen Verkaufsplattformen dabei, Ihren zukünftigen Cashflow besser abzuschätzen und so bestmöglich für die Zukunft zu planen.

Wichtig ist, dass Sie bei Ihrer Planung sämtliche Einnahmen und Ausgaben, sowie die Zahlungsziele berücksichtigen, denn nur das liefert Ihnen das genaueste Bild über Ihre aktuelle und zukünftige Liquidität.

Digitale Hilfsmittel zur Liquiditätsplanung unterstützen Sie dabei und nehmen Ihnen einen Großteil der manuellen Arbeit ab, sodass Sie Ihre Zeit anstatt mit dem Eintippen von Zahlenkolonnen mit dem Fällen von strategischen Entscheidungen für Ihr Business verbringen, um noch erfolgreicher im E-Commerce zu werden.

Bildnachweise in der Reihenfolge der Bilder: ©Dilok – stock.adobe.com

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