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Was hat Ihr Fulfillment mit einer Obstkiste zu tun?

Ding Dong!  Es klingelt an der Haustür und ich weiß, meine Obstkiste vom Bauern ist da. Natürlich ist das Obst (wie der Name schon sagt) in einer Kiste - genauer gesagt: In einer Mehrwegkiste. Diese wird bei der nächsten Lieferung wieder abgeholt und neu befüllt. Das Stichwort hier: Nachhaltiger Versand. Was bei der Obstkiste ganz selbstverständlich ist, ist für den Onlinehandel noch Neuland. Warum eigentlich? Es gibt doch mittlerweile eine Menge an Alternativen zum ollen Einweg-Pappkarton und Füllmaterial aus Plastik. 

Um Sie zu Wegweisern in der Branche zu machen (und Ihnen damit einen Unique Selling Point zu verschaffen), haben wir hier fünf Möglichkeiten für Sie genauer betrachtet, wie Sie Ihr Fulfillment nachhaltiger gestalten können.

Methode 1: Die Mehrwegkiste/ -verpackung

Schon 2009 hat Memo sein eigenes Mehrweg-Versandsystem, die memo Box, entwickelt. Seitdem können sich Kunden während des Bestellvorgangs für diesen nachhaltigen Versand entscheiden. Laut Unternehmensangaben nutzten 23% der Kunden die memo Box. 2017 wird das Unternehmen sogar von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) Österreich und Deutschland mit dem Nachhaltigkeitspreis Logistik ausgezeichnet.

Das System ist recht einfach: Der Kunde entscheidet sich für die memo Box, Memo selbst entscheidet, welche Größe gewählt wird. Nach Erhalt der Ware hat der Kunde 14 Tage Zeit, die Box kostenlos an das Unternehmen zurückzusenden. Sollte keine Rücksendung erfolgen, stellt Memo dem Kunden die Box in Rechnung und er kann sie fortan sein Eigen nennen. Ganze 500 Durchläufe übersteht die stabile Alternative zum Pappkarton. 

Nun müssen Sie nicht gleich das Rad neu erfinden, um einen nachhaltigen Versand zu ermöglichen. Für kleinere, unzerbrechliche Waren, wie zum Beispiel Kleidungsstücke, hat das finnische Start-Up RePack eine faltbare Versandtasche entwickelt. So kann die smarte Verpackung erst Waren transportieren und später, auf die Größe eines Briefumschlags zusammengefaltet, an RePack weltweit kostenlos zurückgesendet werden. Durch ihr innovatives System werden CO2-Emissionen um rund 80% reduziert, so das Versprechen der Firma. 

Neben einem nachhaltigen Versand bietet RePack ein großes Netzwerk an Händlern. Da jede Rücksendung mit einem Einkaufsgutschein belohnt wird, der bei jedem RePack-Partner eingelöst werden kann, wächst automatisch die Kundenbindung. 

Natürlich wird jede Tasche nach Verwendung gereinigt. Dies geschieht in Werkstätten für Menschen mit Handycap. Damit steckt hinter RePack nicht nur ein ökologischer sondern auch ein sozialer Gedanke.  

Methode 2: Klimaneutraler Versand

Zugegeben: Der Bauer hat sicherlich einen kürzeren Weg zu mir nach Hause, als Sie als Amazon-Händler zu den meisten Ihrer Kunden. Das heißt aber nicht, dass Sie in puncto nachhaltiger Versand weit hinter ihm liegen müssen. 

Große Versandanbieter wie DHL und DPD bieten einen klimaneutralen Versand an. Dafür werden die CO2-Ausstöße gemessen und durch Investitionen in Klimaprojekte ausgeglichen.

Bei DHL werden alle Pakete innerhalb Deutschlands klimaneutral versendet. Pakete ins EU-Ausland können für 0,20 € Aufpreis ebenfalls klimaneutral versendet werden. Außerdem verwendet der Versanddienstleister in einigen Städten bereits E-Fahrzeuge, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Auch DPD setzt auf einen kostenlosen klimaneutralen Versand in Deutschland und nutzt in Nürnberg beispielsweise schon Lastenräder. 

KEINE BUY BOX – KEIN UMSATZ

Der intelligente, dynamische Repricer von SellerLogic platziert Produkte zum höchstmöglichen Preis in der Amazon BuyBox.

Methode 3: Verpackungen aus Recycling-Materialien 

Aber was ist eigentlich mit der Produktverpackung an sich? Wer sie nicht vollständig weglassen kann, kann zumindest auf nachhaltige Alternativen setzen, um sein Fulfillment nachhaltiger zu gestalten.

bio-lutions’ Ansatz hierfür ist recht simpel, aber dennoch genial. Des einen Müll ist des anderen Rohstoff. So nutzt das Unternehmen Bio-Abfälle, um daraus neue kompostierbare Verpackungen ohne Chemie herzustellen. 

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Arekapak. Sie wollen aus Palmenblättern, die zu Boden gefallen sind, neue Verpackungen herstellen. Die Verpackungen werden zwar noch nicht verkauft, aber es ist definitiv spannend, diese Idee weiterzuverfolgen. Aktuell arbeitet das Team weiter am Prototypen und der Realisierung des Projektes.

Auch wer eine Folienverpackung bevorzugt, kann auf seine Kosten kommen. So bietet beispielsweise repaq plastikfreie und kompostierbare Folienverpackungen aus Cellulose an. 

Es gibt aber noch viel mehr Innovationen, von Verpackungen für temperatursensible Güter bis hin zu alternativen Dämmmaterialien. 

Methode 4: Füllmaterial aus Recycling-Materialien

Womit wir auch schon beim nächsten Punkt angekommen sind: das Füllmaterial. 

Muss es immer Styropor oder Luftpolsterfolie aus Plastik sein?
Oder wie wäre es stattdessen mal mit Pilzen? Ecovativedesign hat eine neue Art von Füllmaterial auf den Markt gebracht, bei dem Pilzgeflecht als “Kleber” verwendet wird. Agrarabfälle werden für diese Methode gereinigt und aufbereitet. Anschließend werden die Pilze als Stabilisator hinzugefügt. Nach nur wenigen Tagen ist das Füllmaterial bereits verwendbar. Das Mushroompackaging hat selbst den Elektro-Riesen Dell überzeugt.

Wer von diesem Ansatz überzeugt ist, kann sich sogar sein eigenes DIY-Kit bestellen und seine Materialien selbst herstellen. Der einzige Haken: Der weite Transportweg aus den USA.

Nachhaltiges Füllmaterial: Landbox Stroh

Aber auch Deutschland hat gute Alternativen zu bieten. Landpack aus der Nähe von München bietet einige verschiedene Füllmaterialien an. So haben sie beispielsweise eine Isolierung aus Stroh als Alternative zu Styropor im Angebot. Laut Herstellerangaben kann sie die Ware bis zu 65 Stunden auf unter 4° halten. 

Auch Materialien aus Hanf und Jute bietet das Unternehmen an. Sie dienen zum einen der Isolierung, aber auch der Stoßdämpfung.

Noch eine Alternative, wer kennt sie nicht? Die guten alten Verpackungschips, aber bitte biologisch abbaubar. Sie werden meistens aus Stärke hergestellt und sind mindestens genauso gut wie Verpackungschips aus Styropor. Aber: Man kann sie in der Biotonne oder dem eigenen Komposthaufen entsorgen wie alle anderen vorgestellten Varianten. 

Methode 5: Verpackungen selbst recyceln

Aber wer sagt eigentlich, dass Sie Prozesse auslagern oder Lieferanten beauftragen müssen, um einen nachhaltigen Versand zu gewährleisten?

Sicherlich bekommen auch Sie die eine oder andere Retoure. Was machen Sie dann mit dem Karton? Wegwerfen? 

Bieten Sie Ihren Kunden doch einmal die Möglichkeit an, einen wiederverwendeten Pappkarton zu erhalten. Viele Pappkartons sind auch nach der ersten Nutzung noch einwandfrei und werden doch in den Mülleimer geworfen. Ein unversehrter Karton kann durchaus wiederverwendet werden. 87% der Konsumenten befürworten eine Wiederverwendung bereits genutzter Kartons sogar. 

Wenn Sie Ihren Kunden vorher die Wahl lassen, ob sie mehr Wert auf einen nagelneuen Karton legen als auf die Reduzierung von unnötigem Müll, wird bestimmt der ein oder andere umweltbewusste Kunde dem Karton einen weiteren Einsatz gewähren. 

Bei dieser Methode sollten Sie allerdings nur wirklich einwandfreie Kartons wiederverwenden und keine abgewetzten, auseinander fallenden. 

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Weitere Benefits

Wer auf einen nachhaltigen Versand setzt und seine Produkte möglichst müllfrei oder kompostierbar verpackt, erreicht eine wachsende Zielgruppe an umweltbewussten Konsumenten. Eine Studie von Facit Research 2017 ergab, dass die Nachhaltigkeit eines Produktes bzw. eines Händlers für rund zwei Drittel der Befragten bei der Kaufentscheidung eine große Rolle spielt. 

Wem das nicht Grund genug ist, dem sei gesagt: Sie können mit Mehrwegverpackungen sogar Geld sparen! Sicherlich sind die anfänglichen Investitionen höher, aber da Sie Ihre Verpackungen nun mehrfach verwenden können, müssen Sie nicht für jede einzelne Lieferung neues Verpackungsmaterial kaufen. Denken Sie an die memo Box, die 500 mal verwendet werden kann. So wird sich die Anschaffung von Mehrweg-Transportboxen schnell amortisieren. 

Aber Augen auf bei der Verpackungswahl

Nachhaltiger Versand: Methoden genau betrachten

So schön die grüne heile Welt auch klingen mag, Sie sollten jedes Produkt trotzdem hinterfragen. Natürlich ist es schön, wenn Versand-Dienstleister in Klimaprojekte investieren, aber wäre es nicht noch besser, einen emissionsfreien Versand zu verwenden, wann immer es möglich ist? Muss ein Paket 10 Kilometer weit in einem Diesel-Transporter gefahren werden, oder tut es in diesem Fall nicht auch ein Kurierdienst mit einem E-Bike? 

Sollten Sie sich für eine neue Verpackungs- oder Füllmethode entscheiden, müssen Sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Lieferanten in Verbindung setzen. In diesem Schritt sollten Sie sich auch über die Produktion der alternativen Verpackungen informieren und sicherstellen, dass diese auch wirklich ökologisch ist. Was bringt Ihnen eine Verpackung aus recyceltem Material, wenn eben diese um den halben Globus geschickt werden muss, um bei Ihnen anzukommen? Ein kritischer Blick hinter die grüne Fassade lohnt sich in jedem Fall!

​PraxPack: Lösungssuche auf Bundesebene

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat erkannt, dass eine Veränderung dringend nötig ist. Schließlich fallen jedes Jahr über 50.000 Tonnen an Kunststoffverpackungen und über 750.000 Tonnen an Papier-, Papp- und Kartonverpackungen nur im Online-Handel an.

Daher werden Projekte wie “praxPACK” gefördert, bei dem das Institut Ökopol nach neuen Lösungen sucht, um die anfallenden Berge an Verpackungsmüll zu reduzieren. Dabei setzen sie auf Ideen, die sowohl der Umwelt als auch den Händlern nützen. Denn nur so kann eine Veränderung stattfinden. Wir haben also Grund zur Hoffnung, dass schon bald noch viele weitere Alternativen zu Einwegverpackungen und -füllmaterialien auf den Markt kommen.

Fazit

Wer auf einen nachhaltigen Versand und ökologische Verpackungen setzt, hat einen klaren USP und erreicht eine immer größer werdende Zielgruppe.
Bereits heute gibt es einige nachhaltige Alternativen zu Einweg-Verpackungen und -Füllmaterialien. Aber voraussichtlich wird das Angebot noch weiter wachsen. Nachhaltigkeit ist definitiv ein Trend, den Sie verfolgen sollten und soweit es geht in Ihrem Unternehmen umsetzen sollten. 

Nichtsdestotrotz sollten Sie sich vorab mit den einzelnen Möglichkeiten auseinandersetzen und diese individuell evaluieren. Passt es zu Ihrem Business? Macht das wirklich Sinn? Wer sich aber diese Zeit nimmt und bewusste Entscheidungen trifft, kann gut mit dem Bauern und seiner Obstkiste mithalten. 

Category: Blog, Tipps & Tricks
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